GS1 Identi­fikations­nummern

Die GS1 Identifikationsnummern ermöglichen die eindeutige Identifikation von Unternehmen, Produkten und so weiter. Durch die globale Gültigkeit werden Einschränkungen durch interne Identifikationsysteme von Unternehmen / Organistaionen / Branchen überwunden.


Entwickelt wurde das GS1 Identifikationssystem, um die Einschränkungen von unternehmens-, organisations- oder branchenspezifischen Identifikationssystemen zu überwinden und so den Handel effizienter und aufgeschlossener dem Kunden gegenüber durchführen zu können. Anhand der Identifikationsnummern können die Merkmale eines Objektes (=Stammdaten) aus einer Datenbank oder anderen Quellen abgerufen werden. Die weltweite Eindeutigkeit des GS1 Identifikationssystems ist nur garantiert, wenn die Nummer als Ganzes gelesen und verarbeitet wird.

GS1 Standards zur automatischen Identifikation setzen sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: GS1 Identifikationsnummern, GS1 Application Identifier (AI), GS1 Datenträger und dem Elektronischen Produktcode (EPC).

GS1 Identifikationsnummern und Application Identifier sind so ausgelegt, dass sie mit den GS1 Datenträgern (GS1 Strichcodes, EPC/RFID Tags) perfekt harmonieren. Der EPC bietet Möglichkeiten zur Verschlüsselung auf einem EPC/RFID Tag, und kann sowohl die GS1 Identifikationsnummern, als auch weitere Informationen speichern.
Für die Erstellung der GS1 Identifikationsschlüssel ist eine GS1 Basisnummer, bestehend aus einer eindeutigen Zeichenfolge mit vier bis zwölf Ziffern, Voraussetzung. Die ersten Ziffern müssen ein gültiger GS1 Präfix sein und die Gesamtlänge muss mindestens um eine Ziffer länger sein, als die Anzahl der Ziffern des GS1 Präfix. Die GS1 Basisnummer wird durch eine nationale GS1 Mitgliedsorganisation (zum Beispiel in Österreich GS1 Austria) vergeben und kann, abhängig von der erforderlichen Nummernkapazität, unterschiedlich lang sein.
Die GS1 Basisnummer wird entweder an ein GS1 Mitglied zugewiesen oder verbleibt bei der Vergabestelle selber (zum Beispiel zur Zuteilung von einzelnen GS1 Identifikationsschlüsseln).

Von GS1 Austria werden sieben- und neunstellige Basisnummern vergeben. Diese ermöglichen dem Systemanwender die Erstellung aller momentan elf GS1 Identifikationsschlüssel. Mit einer neunstelligen GS1 Basisnummer können bis zu 1.000 unterschiedliche GTINs und GLNs gebildet werden, mit einer siebenstelligen bis zu 100.000.

In der Praxis sind speziell vier der elf Identifikationsschlüssel relevant (GLN, GTIN, SSCC, GRAI) und werden im Folgenden auch näher beschrieben.

GLN zur Identi­fikation von Standorten

Mit der Global Location Number (GLN) können alle physischen Lokationen eines Unternehmens identifiziert werden, beispielsweise eine Filiale, ein Lager oder ein Liegeplatz für ein Schiff in einem Hafen.

Die GLN dient auch dazu, um Organisationen als eigenständige Unternehmenseinheiten zu identifizieren, und auch juristische Personen und Funktionseinheiten eines Unternehmens, die als Partei in bestimmten Geschäftstransaktionen teilnehmen, wie zum Beispiel Einkauf, Verkauf, Logistikdienstleister oder auch eine Rechnungsadresse. Außerdem kann die GLN auch als digitale Lokation verwendet werden, die eine elektronische (nicht-physische) Adresse zur Kommunikation zwischen Computern darstellt.

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Zur Kennzeichnung von physischen Lokationen kann die GLN entweder in einem Strichcode oder einem RFID/EPC Tag verschlüsselt werden, beispielsweise um Lagerplätze in einem Warenlager, Bestimmungsorte von Paletten oder die Herkunft eines Produktes automatisiert zu identifizieren.

Die GLN kann in elektronischen Nachrichten, Datenbanken und Registern verwendet werden, um Handelspartner über Unternehmen und deren zugehörige GLNs und damit verknüpfte Stammdaten zu informieren.

Die GLN wird auch von Organisationen der öffentlichen Verwaltung verwendet. Bei Rahmenverträgen mit der Republik Österreich vergibt die Statistik Austria im Unternehmensregister eine GLN an juristische Personen, Unternehmen und öffentliche Stellen.

Im GS1 System gibt es auch eine GLN Erweiterungskomponente, die zusätzlich mit der GLN verwendet werden kann, um Ereignisse in der Wertschöpfungskette präziser zu speichern und zu teilen. Zum Beispiel kann eine Erweiterungskomponente firmeninterne Sublokationen, wie Abstellplätze, Scan- und Lesepunkte identifizieren.

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Aufbau der GLN

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Anhand der GS1 Austria Mitgliederdatenbank GEPIR (Global Electronic Party Information Register) kann die GLN (beziehungsweise mehrere) eines beliebigen Unternehmens ausfindig gemacht werden. Beispielsweise hat die GS1 Austria GmbH unter anderem die GLN 9099999000802.


GS1 GLN Vergaberegeln (Quelle: GS1)

Hier geht’s zu GEPIR.

GTIN zur Identi­fikation von Handels­einheiten

Die Global Trade Item Number (GTIN) wird von Unternehmen verwendet, um deren Handelseinheiten weltweit eindeutig zu identifizieren. Eine Handelseinheit ist definiert als Einheit eines Produktes oder einer Dienstleistung, für die die Weitergabe von Stammdaten erforderlich ist und die an irgendeinem Punkt der Versorgungskette mit einer Preisangabe versehen wird.

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Die GTIN kann verwendet werden, um alle Arten von Handelseinheiten in jeder Verpackungsebene (Endverbrauchereinheit, Überverpackung, Palette) zu identifizieren. Jede Ebene muss dabei eine eigene GTIN zugewiesen bekommen. Gruppierungen von Handelseinheiten mit gleichartigen Produktions- und Verwendungscharakteristiken, wie eine Produktionscharge, können darüber hinaus mit Hilfe der Chargen- beziehungsweise Losnummer, Mindesthaltbarkeitsdatum und anderen ähnlichen Datenelementen noch besser voneinander unterschieden werden. Individuelle Handelseinheiten können eindeutig mit Hilfe der GTIN+ Seriennummer identifiziert werden.

Hat das Unternehmen einer Handelseinheit eine GTIN zugewiesen, ist diese weltweit eindeutig, und dazugehörende Informationen können entlang der Wertschöpfungskette zwischen den involvierten Partnern ausgetauscht werden.

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Aufbau der vier GTIN Formate

Für Anwendungen, die ein einheitliches 14-stelliges Format benötigen, müssen führende Nullen hinzugefügt werden.
000000nnnnnnnn (GTIN-8)
00nnnnnnnnnnnn (GTIN-12)
0nnnnnnnnnnnnn (GTIN-13)

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Die GTIN-8 wird nur für kleine Produkte, im Hinblick auf Einschränkungen durch die Packungsgröße, vergeben (zum Beispiel für Kaugummiprodukte). Die GTIN-12 wird nur im nordamerikanischen Raum vergeben und kann weltweit verarbeitet werden. Die GTIN-14 kann für Überverpackungen (zum Beispiel Kartons) vergeben werden und generiert eine höhere Nummernkapazität. Eine Überverpackung mit einheitlichen Handelseinheiten ist eine vordefinierte Gruppierung von identischen Artikeln.

Millionen von Produkten werden mit einer GTIN identifiziert. Aber wann ist es notwendig, eine neue GTIN für ein Produkt zu vergeben? Die Branche hat gemeinsam klare Regeln für Industrie und Handel ausgearbeitet.


GS1 GTIN Management Standard (Quelle: GS1)

SSCC zur Identi­fikation von Transport­­einheiten

Der Serial Shipping Container Code (SSCC) wird von Unternehmen zur eindeutigen Identifikation von Transporteinheiten eingesetzt. Diese bestehen aus beliebigen Zusammenstellungen von Handelseinheiten zum Zweck der Lagerung und/oder des Transports. Es kann ein Karton, eine Palette oder ein Paket sein. Der SSCC ist ein wichtiger Schlüssel zur Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Versorgungskette, da er jede Transporteinheit und deren Inhalt eindeutig identifiziert.

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Aufbau des SSCC

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Durch den SSCC ist es möglich, eine Transporteinheit eindeutig zu identifizieren und zusätzliche Angaben mit der Transporteinheit zu verknüpfen. Diese Informationen können mittels elektronischem Lieferavis (DESADV) oder Advanced Shipping Notice (ASN) vor Ankunft der Transporteinheit an den Handelspartner übermittelt werden. Bei Übernahme wird der SSCC gescannt und ermöglicht die Überprüfung der tatsächlichen Transportbewegung von Wareneinheiten anhand der elektronischen Informationsmeldungen, die diese widerspiegeln. Dadurch wird sowohl der Übernahmeprozess der Waren als auch der nachfolgende Rechnungslegungsprozess beschleunigt.

GRAI zur Identi­fikation von Mehrweg­transport­behältern

Der Global Returnable Asset Identifier (GRAI) ist zur Identifikation und speziell für die Handhabung von wiederverwendbaren Transportbehältern und Transporthilfsmitteln geeignet. In Warenverteilungsprozessen setzen Unternehmen Mehrwegbehälter ein, um Waren zu verpacken, zu schützen und zu transportieren. Beispiele dafür sind Bierfässer, Gasflaschen, Kunststoffpaletten oder Getränkekisten. Der Global Returnable Asset Identifier (GRAI) ermöglicht die Rückverfolgung und Aufzeichnung aller entsprechenden Daten.

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Aufbau des GRAI

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Der Behältertyp wird zugeteilt, um – zusammen mit der Basisnummer – eine bestimmte Art von Mehrwegtransportbehältern eindeutig zu kennzeichnen. Der GRAI bleibt für alle identischen Transportbehälter derselbe. Die optionale Seriennummer kann dazu verwendet werden, einzelne Behälter innerhalb einer gegebenen Art von Transportbehältern zu unterscheiden, beispielsweise für Aufzeichnungen von regelmäßigen Wartungsarbeiten oder Reparaturen, oder wenn ein Leergebinde retourniert wird.