Prognose­­daten­­austausch

Im Unterschied zu VMI (Vendor Managed Inventory) verbleibt beim Prognosedatenaustausch die Bestellhoheit beim Händler. Er übermittelt dem Lieferanten jedoch Prognosedaten für die nächste Bestellung.

Definition und Effekte

Der Prognosedatenaustausch stellt eine Vorstufe von CRP / VMI dar, bei dem es zu keinen Eingriffen in die Prozesse des Geschäftspartners kommt. Ein Händler gibt seine Bestandsdaten nicht weiter und behält auch weiterhin die Bestellhoheit.

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Um einem Hersteller dennoch die Möglichkeit zu geben, dessen Produktion und / oder seine Lieferbereitschaft besser zu planen, werden bei der Bestellung bereits Bedarfsprognosen für die nächste Bestellung übermittelt. Diese Prognose wird zum eigentlichen Bestelldatum bestätigt oder korrigiert. Gleichzeitig wird die nächste Bedarfsprognose mitgeschickt. Der Vorteil für den Händler liegt dabei primär in einer besseren Lieferfähigkeit seines Lieferanten.

Vor allem die kurzfristigen Bestellungen von Handelsunternehmen führen bei Industriepartnern zu erheblichen Problemen in der Produktionsplanung und in der Bereitstellung der notwendigen Kapazitäten. Die verbesserte Bereitstellung aktueller Bedarfe seitens der Handelsunternehmen kann diese Probleme ausschalten.

Im Rahmen des Bedarfsprognosedatenaustausches übermittelt ein Handelsunternehmen gemeinsam mit der Bestellmenge für den nächsten Ausliefertermin auch die geplanten Abnahmemengen für die Folgewochen an seine Lieferanten. Die geplanten Abnahmemengen werden noch mit Schwankungsbreiten hinterlegt, die mit zunehmendem Zeitabstand höher werden.

Durch diese Vorgehensweise kann gewährleistet werden, dass die Produktionsplanung der Lieferanten kurzfristige Änderungen im Bestellverhalten besser berücksichtigen kann. Im Gegensatz zum CRP liegt die Kompetenz zur Bestellauslösung jedoch weiter im Verfügungsbereich des Handelsunternehmens.

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Neben dem Verbesserungspotenzial in der Produktionsplanung erlaubt der Prognosedatenaustausch eine Reduktion der Sicherheitsreserven auf der Lieferantenstufe. Gleichzeitig können Lieferanten auf etwaige Nachfrageschwankungen flexibel reagieren. Für das Handelsunternehmen bedeutet dies eine verbesserte Verfügbarkeit der Ware, frischere Sortimente für den Kunden und ebenfalls ein flexibles Reagieren auf etwaige Lieferprobleme.

Die Nutzenpotenziale für Hersteller und Händler lassen sich, wie in der folgenden Abbildung dargestellt, zusammenfassen.

Der ECR-optimierte Prognose­daten­austausch­prozess

Ein Handelsunternehmen übermittelt dem Lieferanten im bilateralen Datenaustausch sowohl fixe Bestellungen als auch die prognostizierten Bedarfsmengen der nächsten Wochen. Die Prognosedaten sind mit Wahrscheinlichkeiten unterlegt, die dem Lieferanten zum Ausdruck geben, wie sicher das Eintreten dieser Bedarfsschwankungen ist.

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Eine Sicherheitswahrscheinlichkeit zum Beispiel von 95 % drückt aus, dass die fixe Bestellung der Folgewoche um +/- 5 % abweichen kann (siehe Abbildung). Der Prognosedatenaustauschprozess folgt der Logik einer rollierenden Planung, da aus dem 95 %-igen Prognosewert die fixe Bestellung wird und der 85 %-ige Prognosewert für die Woche 2 zum 95 %-igen Prognosewert der Woche 1 wird.

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Um eine bessere Planungsübersicht zu bekommen, sind die teilnehmenden Handelsunternehmen angehalten, die Bestellung von Kurant- und Aktionsware getrennt durchzuführen. Das erlaubt auch eine bessere Beurteilung der Bedarfsschwankungen seitens der Industrie.

Das Zusammen­spiel mit EDI-Standards

Der elektronische Datenaustausch der Bestell- und Prognosedaten kann in zwei Varianten erfolgen:

  • Fixe Bestellungen können mit der EANCOM® Nachricht ORDERS (Bestellung) und die rollierenden Prognosedaten mit der Nachricht SLSFCT (Verkaufsprognose) übermittelt werden. Die Prognose SLSFCT für die Folgewoche wird danach entweder als ORDERS bestätigt oder adaptiert. Somit werden jede Woche eine ORDERS und zwei SLSFCT Nachrichten übertragen, in denen immer das gesamte Sortiment angeführt werden muss.
  • In der zweiten Variante kommt es zum Zusammenspiel mit den Nachrichten ORDERS und ORDCHG (Bestelländerung). Dabei wird die Prognose mit der Nachricht ORDERS übertragen, und die Konkretisierung der fixen Bestellung wird mit der Nachricht ORDCHG fixiert. Falls keine Änderungen in den Bestellmengen erfolgen, wird die Nachricht ORDCHG nicht durchgeführt.

ECR Austria empfiehlt Variante 2 aufgrund ihrer geringeren Komplexität in den Abläufen.