Mehrweg­­transport­­ver­packungen (MTV)

Mehrwegtransportverpackungen vermeiden unnötige Ver- und Entpackprozesse und tragen zur Abfallreduktion bei.


Der Einsatz von Mehrwegtransportverpackungen (MTV) ist gemäß den ECR Austria Empfehlungen in jenen Produktbereichen oder logistischen Ketten in Betracht zu ziehen, in denen der mit den Verpackungs- und Entpackungsaktivitäten zusammenhängende Aufwand so hoch ist, dass die Rückführung und das zusätzliche Handling von Mehrwegtransportverpackungen kostengünstiger ist.

Allgemeines

Die obige Empfehlung leitet sich aus den Erfahrungen der Praxis ab, wonach es in der Lieferkette mancher Warengruppen zu unnötigen Ver- und Entpackungsprozessen kommt. Diese führen zu höheren Kosten und zu einem unnötigen Verbrauch an Verpackungsmaterial.

Mehrwegtransportverpackungen kommen vor allem in den Warengruppen Obst und Gemüse, Fleisch, Milch und Molkereiprodukte und Getränke zum Einsatz.

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Der Einsatz von Mehrwegtransportverpackungen ist ein aktiver Beitrag zur Abfallvermeidung, wie durchgeführte Studien des Österreichischen Ökologie-Institutes zeigen. Dabei konnte festgestellt werden, dass MTV bis zu 100-mal eingesetzt werden können, bevor diese dem Recycling zugeführt werden. Im Vergleich zu Einwegtransportverpackungen (ETV) ist damit der Einsatz an Energie und natürlichen Ressourcen geringer. Die Frage, ob der Einsatz von MTV sinnvoll ist, kann nicht generell für eine Branche oder eine Produktklasse beantwortet werden, sondern muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Einweg-Mehrweg-Transport­verpackungs­rechner

Für die Feststellung, ob eine MTV-Eignung gegeben ist, gibt es ein eigenes Bewertungsmodell (siehe Download). Für jede Frage ist eine Gewichtung zu vergeben (1: kaum relevant bis 5: wesentliches Kriterium) und die spezifische Mehrwegtransportverpackungseignung auf der zehnteiligen Skala zu beurteilen. Die Gewichtung multipliziert mit der Wertungsziffer ergibt die Bewertung des jeweiligen Kriteriums. Die Summe aller Bewertungen in Relation zur maximal erreichbaren Punktezahl (jede Frage wird mit 10 bewertet) ergibt einen Prozentsatz von 0 % bis 100%.


Einweg-Mehrweg-Transportverpackungsrechner (Quelle: Logistikverbund-Mehrweg)

Der Logistik­verbund-Mehrweg (L-MW)

Der unkoordinierte Einsatz von Mehrwegladungsträgern führt zu Ineffizienzen in der gesamten Logistikkette. Wie auch bei den übrigen Verpackungsarten liegt auch bei MTV die Ursache in der Vielfalt der genützten Verpackungsarten. Viele Erzeuger optimieren die Gebinde hinsichtlich der eigenen Produkte und vergessen die Konsequenzen für die gesamte Logistikkette.

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Die Empfänger von Mehrwegtransportverpackungen sind daher gezwungen, die verschiedenen Verpackungen je nach Lieferant und Hersteller separat zu sortieren, zu sammeln, bereitzustellen und rückzuführen. Damit sind häufig höhere Kosten durch einen höheren Flächenbedarf, ein höherer personeller und administrativer Aufwand, eine Erschwerung der automatischen Kommissionierung und eine höhere Wahrscheinlichkeit der Beschädigung der Ware verbunden. Im Gegenzug dazu schreiben einige Handelsunternehmen ihren Lieferanten bestimmte MTV-Arten vor, wodurch Industrieunternehmen verschiedene MTV-Arten und MTV-Typen in der Lagerung und Auslieferung bereitzustellen und zu verwalten haben.

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Eine klare Zielsetzung liegt daher in der einheitlichen Gestaltung von Mehrwegtransporteinheiten, damit diese in der Logistikkette auch mit anderen Sekundär- oder Tertiärverpackungen kompatibel zum ISO-Master-Modul kombiniert werden können. Die Mehrwegtransportverpackungen sollten untereinander stapelbar sein, auch wenn es sich um unterschiedliche Ausführungen handelt. Zusätzlich sollen MTV-Systeme ein einfaches Handling ermöglichen, belastbar und stabil sein und den Anforderungen von automatischen Lager- und Umschlagsplätzen entsprechen.

Daher wurde der Logistikverbund-Mehrweg (L-MW) 1998 auf Empfehlung der ECR Arbeitsgruppe für Mehrwegtransportverpackungen gegründet. Mit der organisatorischen Eingliederung in die GS1 Austria und auf Empfehlung der ECR Initiative wurde der Logistikverbund-Mehrweg in Österreich sofort auf eine breite Basis gestellt. Damit verbunden war die enge Zusammenarbeit mit der GS1 Germany in Deutschland, die bereits Jahre zuvor einen Logistikverbund-Mehrweg gegründet hatte, was entscheidend zur raschen Umsetzung in Österreich beigetragen hat.

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Durch die Arbeit des L-MW sollen unterschiedliche, nicht kompatible Mehrwegverpackungen vermieden und die organisatorische Abwicklung der unterschiedlichen Mehrwegtransportverpackungen geregelt werden mit dem Ziel, die Standardisierung von Mehrwegtransportverpackungen voranzutreiben.

Ziele des Logistikverbund-Mehrweg:

  • Die Sicherstellung der technischen und organisatorischen Kompatibilität von MTV für ihren effizienten Einsatz in der logistischen Kette (laut Empfehlung ECR Austria 1997)
  • Die eindeutige und standardisierte Kennzeichnung mittels GRAI (Global Returnable Asset Identifier)
  • Die Integration der Mehrweg-Ladungsträger in EANCOM® Nachrichten
  • Die Sicherstellung von Anbieter-Vielfalt bei MTV
  • Die Ausgestaltung des Regelwerkes und der Ablaufregeln
  • Die internationale Abstimmung und Erfahrungsaustausch
  • Die Einbindung des Logistikverbundes Mehrweg in die GS1 Austria GmbH
  • Aufzeigen der ökologischen Nachhaltigkeit von Mehrweg-Ladungsträgern (Ressourcenschonung, Reparaturmöglichkeit, Recycling, …)

Als übergeordnetes Ziel präsentiert sich die Schaffung eines kompatiblen, an das Produkt angepassten Mehrwegtransportverpackungs-Systems. Die Unterziele sollen durch die Sicherstellung von Angebotsvielfalt und die Förderung des Wettbewerbs erreicht werden.

L-MW Folder 2016 (Quelle: Logistikverbund-Mehrweg)

Im Folgenden werden die aktuellen Arbeitsgruppen vom Logistikverbund-Mehrweg kurz dargestellt (Stand 2. Quartal 2016).

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Biertray für Multipacks

4er- und 6er-Trays werden als Promotioneinheit immer beliebter. Um diesem Trend Rechnung zu tragen hat der L-MW auf Wunsch der Teilnehmer die Arbeitsgruppe „Biertray für Multipacks“ einberufen, die nach gemeinsam erstellten Anforderungen eine Ausschreibung in ganz Europa durchgeführt hat, wobei zwei Trays allen Anforderungen entsprochen haben. Nachdem die mit Brauereien und Handelsunternehmen durchgeführten Praxistests erfolgreich waren, ist das Projekt derzeit in Umsetzung.

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DESADV im Streckengeschäft

Bei direkter Anlieferung von Waren im Geschäft beziehungsweise der Gastronomie, insbesondere bei Auslieferung durch einen Getränke-Fachgroßhändler, kommt der elektronische Lieferschein (DESADV) nicht zum Einsatz. Die Arbeitsgruppe erarbeitet Modelle und Lösungen, wie mit einfachen Mitteln sichergestellt werden kann, dass diese für den Handel wichtige Nachricht auch bei Streckenlieferung zum Einsatz kommt. Erste Tests zwischen Herstellern und Händlern sind derzeit im Laufen.

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1:1 Ladungsträgertausch

Bei Importen von Waren auf weißen Tauschpaletten kann der Fall eintreten, dass nach Palettentausch bei der Anlieferung eine Anzahl von leeren Paletten in das Herkunftsland der Ware zurücktransportiert wird. Die Arbeitsgruppe wird Wege aufzeigen, wie diese nicht sinnvollen Transporte vermieden und gleichzeitig die Palettenbestände optimiert werden können.

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Mehrweg-Displays

Sonderanfertigungen für den Promotioneinsatz mit direkter Platzierung im Verkaufsraum bestehen – mit Ausnahme der Ladungsträger – zum Großteil aus Einwegmaterial, das nach dem Einsatz entsorgt beziehungsweise dem Recycling zugeführt wird. Zur Schonung von Ressourcen wird die Arbeitsgruppe Kriterien für mehrwegfähige Displays festlegen und Modelle entwickeln, die nach dem Einsatz retourniert und nach neuer Befüllung mit anderen Produkten wieder zum Einsatz kommen können.

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Flexible Markenkennzeichnung für Mehrweg-Ladungsträger beziehungsweise Kisten

Um ein klares Branding bei Obst- und Gemüseprodukten zu erzielen, bevorzugen viele Hersteller Einwegverpackungen, da bei Mehrweg-Ladungsträgern (beispielsweise Obst- und Gemüsekisten) eine Markenkennzeichnung auf diesen Umverpackungen schwierig ist. Die Arbeitsgruppe wird gemeinsam mit Vertretern des Handels und der MTV-Anbieter flexible Kennzeichnungsmöglichkeiten entwickeln, um das geforderte Branding zu realisieren.

MTV-Anbieter

Paletten gelten als unverzichtbares Lademittel und sind aus Industrie und Handel nicht wegzudenken. Europaweit befinden sich nach Angaben der EPAL (European Pallet Association) zurzeit zum Beispiel alleine über 400 Mio. EURO-Paletten im Umlauf, etwa ein Drittel davon in Deutschland. Daneben gibt es weitere Paletten-Arten, wie zum Beispiel Gitterboxpaletten, Düsseldorfer Paletten, Brauereipaletten, Halbpaletten, Viertelpaletten, CP-Paletten (Chemiepaletten), Industriepaletten und Spezialpaletten. Die meisten Paletten sind tauschbar (Mehrwegpaletten). Dies setzt allerdings strenge Normierungen und Qualitätsnormen voraus. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich die EURO-Palette durchgesetzt.

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Europäischer Palettenpool – EPP

Der Europäische Palettenpool ist der Zusammenschluss Europäischer Eisenbahnen zur Vereinfachung nationaler und länderübergreifender Transporte, in dem die Tauschpartner zu einheitlichen Bedingungen Paletten austauschen können. Der EPP ist weltweit das größte freie Tauschsystem. Die Tauschvereinbarungen beziehen sich auf drei Frachtarten: Paletten als Stückgüter, Wagenladungen und Ladungen im Großcontainerverkehr, wobei jeweils noch nach EURO-Flachpaletten und EURO-Boxpaletten unterschieden wird. Angeboten wird der nationale und internationale Güterverkehr. Die Transporte können per Bahn, LKW, Flugzeug oder Schiff erfolgen.

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Idealerweise erfolgt der Austausch der Paletten Zug um Zug – eine volle Palette gegen eine leere. Häufig erfolgt dieser Austausch aber nicht direkt, sondern es werden Palettenkonten geführt oder Palettenscheine ausgegeben (verbrieftes Recht auf Herausgabe von Tauschpaletten). Bei Palettenkonten werden die gegenseitigen Ansprüche auf Herausgabe von Paletten auf virtuellen Konten saldiert. Der Ausgleich von Palettenschulden beziehungsweise -guthaben kann dann periodisch entgeltlich als Wertesatz oder durch entsprechende Rückführung von Paletten erfolgen.

Der Pool liegt in Österreich im Zuständigkeitsbereich der Rail Cargo AG (RCA AG). Die Qualitätskontrolle der EUR-Normbedingungen erfolgt durch die RCA AG beziehungsweise eine von den RCA AG autorisierte Prüforganisation. Die EURO-Paletten sind nach dem UIC-Merkblatt 435-2 des internationalen Eisenbahnverbandes genormt. (UIC = Union internationale des chemins de fer, Internationaler Eisenbahnverband mit Sitz in Paris)

Sie sind durch das markenrechtlich geschützte Zeichen EUR in einem Oval, das jeweils am rechten Eckklotz in das Holz gebrannt ist, erkennbar. Auf den beiden linken Eckklötzen ist das Symbol des internationalen Eisenbahnverbandes (UIC) beziehungsweise der Palettenorganisation (EPAL) eingebrannt. Der Herstellercode mit Herstellungsjahr und -monat ist an den beiden Mittelklötzen vermerkt. Alle Zeichen werden entweder eingebrannt oder geprägt und gleichzeitig braun bis schwarz eingefärbt.

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European Pallet Association – EPAL

1991 wurde die EPAL als Reaktion auf nicht normgerechte, aber als EURO-Paletten gekennzeichnete Paletten aus Osteuropa gegründet. Ziel ist, die Qualitätssicherung von Paletten nach einheitlichen Kriterien in ganz Europa durchzuführen. Nationalkomitees der EPAL bestehen in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Portugal, Slowenien, Spanien, der Schweiz und in den USA. Die RCA AG ist nicht an der EPAL beteiligt. Seit 1995 nimmt die EPAL im Palettenpool als Palettenorganisation in den beteiligten Ländern eine herausragende Rolle ein. Für die Qualitätsprüfung bedient man sich anerkannter Prüforganisationen wie zum Beispiel der Büro Veritas.

Mehr über EPAL finden Sie hier.

Arbeits­gemeinschaft Paletten­pool – ARGE Paletten­pool

Die Technologie der Palettierung von Gütern zur Optimierung der Güterbewegung erlebte in Österreich ab 1950 einen starken Aufschwung. Organisatorisch wurde das System des formlosen Palettentausches von EURO-Paletten (800 mm x 1200 mm) von der Österreichischen Studiengesellschaft für Wirtschaftliche Güterbewegung (ÖSWG) begleitet, die primär die Nachbeschaffung von neuwertigen EURO-Paletten organisierte.

Im Zuge der Neustrukturierung der Österreichischen Bundesbahnen durch das Bundesbahngesetz 1992 war ein externes Palettenbeschaffungssystem nicht mehr notwendig und folgerichtig kündigten die ÖBB 1996 die Zusammenarbeit mit der ÖSWG; letztere löste sich mit Juni 1999 auf, ohne dass dies für das in allen Wirtschaftssektoren angewandte Palettentauschverfahren irgendwelche Folgen gehabt hätte, da sich der Palettenpool und der informell praktizierte Palettentausch längst zu einer vereinsmäßig organisierten Poolstruktur emanzipiert hatte.

Verstärkte Klagen über eine Verschlechterung der Tauschmoral, mangelnde Palettenqualität und das Auftreten konkurrierender Palettensysteme am österreichischen Markt veranlassten die Industrie, den Handel und die Bahn zu Überlegungen, wie der über Jahrzehnte bewährte Palettenpool optimiert werden könnte. Diese Überlegungen führten im Herbst 1999 zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft – der ARGE Palettenpool.

Die Arbeitsgemeinschaft ist im Rahmen der WKO (Wirtschaftskammer Österreich) tätig und verfolgt den Zweck, die gemeinsamen Interessen sowohl von Erzeugern als auch von Verwendern von EURO-Poolpaletten zu vertreten, ein regelmäßiges Diskussionsforum der betroffenen Fachorganisationen sicherzustellen sowie durch Informationsveranstaltungen die Erarbeitung einer Palettencharta (Wohlverhaltenskatalog) und anderer Maßnahmen auf den Organisationsablauf des Tauschverfahrens mittels EURO-Poolpaletten fördernd einzuwirken. Ihr gehören Fachverbände der Industrie, des Handels und des Verkehrs an.

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Mietpaletten

Eine Alternative zu den Tauschpaletten sind Mietpaletten, die in einigen europäischen Ländern bereits in einem hohen Maße verwendet werden. Die Abmessungen entsprechen jenen der EURO-Palette.
In seiner einfachsten Form ist Ladungsträger-Pooling die gemeinsame Nutzung qualitativ hochwertiger Standardpaletten und -behälter durch mehrere Kunden. Pooling ist eine strategische Geschäftsoption für Unternehmen, die ihre Kapitalausgaben reduzieren und tägliche Arbeitsabläufe in der Supply Chain verbessern wollen.
Einer der größten Anbieter dieses Systems ist die Firma CHEP (Commonwealth Handling Equipment Pool), die Paletten dieses Anbieters sind an der blauen Färbung zu erkennen. CHEP stellt den Produzenten und Erzeugern in ihren Service-Centern die benötigten Ladungsträger gegen Miete zum sofortigen Einsatz zur Verfügung. Die gewünschte Menge an Paletten wird zu einem beliebigen Termin an den Kunden geliefert.

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Bei Versand der Paletten meldet der Produzent elektronisch mittels EDI-Nachricht die Mengen und den Lieferpunkt an CHEP. Am Ende der Lieferkette nach Abverkauf der Ware werden die CHEP-Ladungsträger eingesammelt.

Im Service-Center kontrolliert CHEP das Material und gewährleistet so, die erforderlichen Qualitätsstandards zu erfüllen. Damit wird sichergestellt, dass nur einwandfreie Paletten in Umlauf kommen. Die sofort einsetzbaren Ladungsträger werden dann dem Mietkreislauf wieder zugeführt und somit dem nächsten Kunden in einwandfreiem Zustand zur Verfügung gestellt.

Demgegenüber kann der Tausch von EURO-Paletten Zeit und Geld kosten, zum Beispiel Fahrten mit leeren Paletten, Schwund durch Diebstahl und Beschädigungen, Verwaltungs- und Kontrollaufwand, erforderliche Lagerkapazitäten und Sicherheitsvorkehrungen (siehe Abbildung). Eine Studie des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik (IML), Dortmund, kommt zu dem Ergebnis, dass ein EURO-Paletten-Umlauf Kosten zwischen EUR 3,15 und EUR 3,95 verursachen kann, wobei die Höhe insbesondere von den Faktoren Palettenqualität und Prozessgestaltung sowie vom Zusammenwirken mit den Tauschpartnern abhängig ist.

Palettenstudie Österreich 2011 (Quelle: Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik)

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Die Teilnahme an einem privaten Palettenpool lässt sämtliche Kosten entfallen, die mit der Bereitstellung der Paletten zu tun haben. Da kein Palettentausch Zug um Zug stattfindet, entfallen nicht nur die Anschaffungskosten beim Hersteller, sondern auch die Kosten für die Rückführung und die Administration sowie der Reparatur.

Zusätzlich rückt der Nachhaltigkeitsgedanke immer mehr in den Mittelpunkt, wobei der Lebenszyklus von Mietpaletten laut CHEP nachhaltiger ist.

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Neben dem Europalettenpool gibt es auch den Halbpalettenpool, der den effizienten Nachschub (Efficient Replenishment) unterstützt, indem leistungsfähige Halbpaletten bereitgestellt werden, mittels derer die Waren bis in den Verkaufsraum durchgängig auf einem Ladungsträger transportiert werden. Diese Anwendung hat sich insbesondere im Lebensmitteldiscount und den schnelldrehenden Sortimenten, wie z.B. Mineralwasser etabliert.

Die Viertelpalette ist quasi das Maß aller Dinge im Bereich der Zweitplatzierung und nicht mehr wegzudenken, wenn es darum geht, Produktneueinführungen und Displays schnell und sicher an den POS zu befördern. Die Standardisierung ist dabei soweit fortgeschritten, dass alle führenden Display-Hersteller ihre Aufbauten und Sockel auf die als „blue click®“ bezeichnete Befestigung abgestimmt haben.

Zusammenfassend liegt der Hauptvorteil des geschlossenen Palettenpools, wie CHEP ihn betreibt, auf den wichtigen Komponenten transparente und wettbewerbsfähige Preise, nachhaltige Logistiklösungen und der Verfügbarkeit von modularen Palettengrößen, zur Unterstützung moderner Distributions- und Marketingstrategien.

Einwegpaletten

Neben Tauschpaletten und Mietpaletten werden in besonderen Fällen auch Einwegpaletten verwendet (siehe Tabelle). Diese werden, wie der Name schon sagt, nur einmal benützt. Die Qualitätsansprüche und die Anschaffungskosten sind geringer als bei Mehrwegpaletten. Einwegpaletten können in allen gewünschten Abmessungen produziert werden.

Aus Gründen der Transportoptimierung sollte jedoch auf die Modularität mit dem ISO– Master-Modul geachtet werden. Bei der Verwendung von Einwegpaletten ist unbedingt auf normgerechte Abmessungen zu achten.

StärkenSchwächen
Geringe AnschaffungskostenSchwächere Bauweise – Bruchgefahr
Keine RückholungGesamtökonomisch teurer
Keine ReparaturkostenÖkologisch bedenklich
Geringerer AdministrationsaufwandARA-Abgaben
Produktion von Industriemüll

Quelle: ECR Austria

Sonderformen von Tertiärverpackungen

Für bestimmte Anwendungsbereiche, wie zum Beispiel die Regalbeschlichtung am POS, Displays im Promotioneinsatz oder Slip Sheets als Alternative zur Palette, werden Sonderformen von Tertiärverpackungen eingesetzt (siehe Tabelle).

Tertiärverpackungen
RollcontainerRollcontainer sind rollbare Untersätze aus Metall im 1/2-Palettenformat und sind auf zwei Seiten durch Gitterwände geschlossen. Sie sind bedingt kompatibel zum ISO-Master-Modul, das heisst, es passen genau zwei ISO-Master-Module 600×400 zwischen die Seitenwände.
Slip SheetsSlip Sheets sind dünne Kunststoff- oder Kartonunterlagen, die anstatt einer Palette verwendet werden. Vorteile sind das geringe Gewicht und die geringere Höhe. Nachteile sind, dass spezielle Gabelstapler benötigt werden und die Nutzlast geringer ist.
DolliesDollies sind rollbare Untersätze aus Metall oder Kunststoff im 1/4-Palettenformat, auf denen die Ladung, zum Beispiel Promotion-Displays, transportiert und auch am POS präsentiert wird. Sie sind kompatibel zum ISO-Master-Modul und werden von ECR-Austria Empfohlen (ECR-Austria 2001)
RolliesRollies sind wie Rollcontainer rollbare Untersätze us Metall im 1/2 Palettenformat aber ohne Seitenwände.

Quelle: ECR Austria

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Dolly und Rolly

Die ECR Austria Arbeitsgruppe „Display und Dollies“ hat 2001 die Empfehlung abgegeben, für Displays im Promotioneinsatz ohne fremde Hilfsmittel rollende Ladungsträger (Dollies) zu nutzen. Im Anschluss wurde der L-MW beauftragt, auf dem europäischen Markt geeignete Anbieter zu finden, die bereit waren, einen entsprechenden Dolly-Pool in Österreich zu errichten. Container Centralen (CC) wurde 2002 nach einem Auswahlverfahren von ECR Austria beauftragt, das Dolly-System im österreichischen Markt als One-Way-Service-System anzubieten.

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Basierend auf den Erfahrungen des bewährten Dolly wurde der CC Euro Dolly entwickelt. Er ist aus Kunststoff, von technischer Seite auf dem aktuellsten Stand und bietet jedem Nutzer die Möglichkeit, die serienmäßige Ausstattung von je einem RFID-Tag (GRAI Standard) auf jeder Längsseite zu nutzen. Ebenfalls bietet der CC Euro Dolly einen GS1-128 Barcode für bestehende Abwicklungsstandards. Für den CC Euro Dolly wurde ein TÜV-Zertifikat vom TÜV Rheinland inklusive GS-Zertifikat erstellt. Die Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution in Bonn bestätigt den CC Euro Dolly mit einem Empfehlungsschreiben.

Das Deckdesign des CC Euro Dolly bietet dank Stapelrand die Möglichkeit modulare Mehrtransportverpackungen, wie beispielsweise Trays oder Obst- und Gemüsekisten verbundsicher zu befördern. (siehe Tabelle)

CC Euro DollyCC Euro Rolly
Außenmaß / InnenmaßAußenmaß / Innenmaß
Länge600 mm / 600 mm811 mm / 811 mm
Breite400 mm / 400 mm608 mm / 608 mm
Höhe173 mm178 mm
Gewicht5,3 kg11,5 kg
Tragfähigkeit250 kg UGL (untere Gleichlast)400 kg UGL (untere Gleichlast)

Quelle: Container Centralen

Falls kurzzeitig CC Euro Dollys bzw. CC Euro Rollys auf Förderstrecken bewegt oder im Hochregal eingelagert werden sollen, bietet CC ein Adapter Tray zur Aufnahme von 4 CC Euro Dollys bzw. 2 CC Euro Rollys an. Das CC Adapter Tray wird auf handelsübliche Europaletten gestülpt und trägt mit nur 3 mm Höhe an den Rollenpositionen kaum in der Gesamthöhe auf. Beladene rollende CC Einheiten im Verbund auf CC Adapter Tray mit Europalette bis 7° Neigung sind möglich. Leere CC Adapter Tray Einheiten können raumsparend bis zu 100 Einheiten auf einem Palettenstellplatz (Höhe 1,20 m) gelagert werden.

  • Länge 220 mm
  • Breite 820 mm
  • Höhe 50 mm
  • Gewicht ca. 3,0 kg
  • Tragfähigkeit bis 1.000 kg UGL

Das CC One-Way-Service-System bedient sich der Systematik des einfachen Weges. Das heißt beide Ladungsträger können von den Produzenten bestellt und dann drei Tage nach Eingang der Bestellung bei diesem angeliefert werden. Hier werden die rollenden Ladungsträger mit Ware (zum Beispiel Displays) bestückt und zum Handel in die jeweiligen Niederlassungen transportiert. Der Handel übernimmt die Ware inklusive der rollenden Ladungsträger und transportiert diese in der Feinverteilung an die jeweiligen Verkaufsstellen. Nach Abverkauf der Waren werden die leeren Ladungsträger im Rahmen der Leergutrückführung an die jeweiligen Läger rückgeführt. Die CC Euro Dolly und CC Euro Rolly werden von dort von Container Centralen an das Depot von Container Centralen retourniert. Der „Einweg“-Kreislauf für umweltfreundliche Mehrwegladungsträger hat sich damit geschlossen.

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Biertray

Für Bierkäufer, die mehr als eine Einzelflasche, aber weniger als eine ganze Kiste kaufen wollen, werden 4er- und 6er-Träger als Promotion-Einheit immer beliebter. Doch die praktische Lösung für den Konsumenten brachte für Erzeuger und Handel Probleme mit sich. Bisher wurden diese Multipacks in vielen Fällen in Bierkisten zum Handel transportiert und darin auch im Verkaufsraum angeboten. Dadurch ergab sich eine eingeschränkte Display-Wirkung der Ware und eine Ineffizienz in der Logistik, wenn Kisten leer zurücktransportiert wurden.

Um diesem Trend mit einem neuen Ladungsträger Rechnung zu tragen, hat der Logistikverbund-Mehrweg, auf Wunsch der Mitglieder, die Arbeitsgruppe Biertray für Multipacks eingesetzt. Nach gemeinsam erstellten Anforderungen wurde eine Ausschreibung in ganz Europa durchgeführt, in der die Trays von zwei Anbietern, LOGIPACK und IFCO, allen Anforderungen entsprochen haben. Gefordert waren nicht nur die Kompatibilität mit allen in Österreich auf dem Markt befindlichen gängigen Flaschentypen 0,5 Liter Mehrweg, sondern auch spezifische Anforderungen an Mindestflaschen pro Lage, Stapelhöhe, Transportsicherung, Kennzeichnung der Trays und Materialverwendung.

Zusätzlich sollte eine Pool-Lösung angeboten werden, bei der die Trays zwischen Handel und Herstellern auf einfache Weise getauscht werden können. Der Poolanbieter sollte aber für den Ausgleich von Saisonspitzen und die Rücknahme beschädigter Trays zur Verfügung stehen.

Brauereien und Handelsunternehmen testeten die neuen Trays erfolgreich und mit Anfang April 2016 erfolgte die Markteinführung mit ersten Promotionen.

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Pooling von Mehrwegbehältern

Das Mehrwegbehälterpooling für Lebensmittel findet klassischerweise im Frische- und Ultrafrischebereich zwischen Produzenten, Agenturen, Lebensmittelhandel (LEH) und Pooldienstleister statt. Letzterer gewährleistet eine just-in-time-Versorgung der Produzenten mit den benötigten Behältertypen und -mengen und deckt auch saisonale Schwankungen ab. Als weltweit führender Pooldienstleister versorgt IFCO SYSTEMS nicht nur den Inlandsmarkt sondern verfügt über eine europaweite Infrastruktur. Österreich wird bereits mit der neusten IFCO Behältergeneration versorgt.

Die Produzenten zahlen für die einmalige Verwendung der zugestellten Behälter (Befüllung mit seiner Ware und Weiterlieferung an den LEH) eine Mietgebühr. Üblicherweise ist auch ein Pfand pro Behälter zu zahlen. Nachdem der LEH seine Filialen mit der Ware versorgt hat, kümmert sich der Pooldienstleister um Rücknahme des Leergebindes aus dem Zentrallager des LEH, Reinigung nach HACCP Standards, Qualitätsprüfung, Recycling von Bruch und Zuführen neuer Behälter in den Kreislauf. Die Behälter werden dann für eine neuerliche Vermietung vorbereitet. IFCO nutzt ein webbasiertes Clearingsystem um den Kistenpool europaweit zu steuern.

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Einer der großen Vorteile des Mehrwegbehälter-Poolings ist der Einsatz eines standardisierten, kompatiblen Verpackungssystems über alle Stufen der Distributionskette vom Produzenten zum LEH-Unternehmen, wobei das Einhalten internationaler Standards hinsichtlich Stapelbarkeit und ISO-Modularität für eine Reduzierung der Logistikkosten in der gesamten Lieferkette sorgt. Maximierung von Effizienz, Produktschutz und geringe Verderbquote, Nachhaltigkeit beziehungsweise Umweltschutz und Sicherheit helfen allen Teilnehmern der Lieferkette, ihre Kosten zu senken. Durch die Mietgebühr fällt keine Kapitalbindung zum Beispiel für das Anschaffen und Aufrechterhalten von Eigenpoollösungen oder das Einlagern von Einweg an. Bedarfsschwankungen werden vom Poolanbieter aufgefangen, sodass es zu keinen Versorgungsengpässen kommt.

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Die Behälter-Grundmaße mit 600×400 mm und 300×400 mm sind in verschiedenen Höhen verfügbar und für Lagerung und Leerguttransport zusammenklappbar. Es gibt unterschiedliche Höhenausprägungen, wobei IFCO mit 10 Typen alleine im Obst- & Gemüsebereich das höchstmögliche Optimierungspotenzial in der gesamten Lieferkette anbietet. Zusätzlich sind tiefkühllagerfähige und für automatisierte Prozesse geeignete Mehrwegbehälter für Fleisch und Brot im Einsatz. Auch Getränketrays für 0,5l-Mehrwegflaschen in flexibel befüllbaren Multipacks sorgen für eine optimierte Flächennutzung durch Vielfachstapelung im Voll- und Leergutprozess und somit für eine erhebliche Reduzierung der Logistikkosten.